Pilotprojekt

Projekthintergrund

Die Berufsausbildungen im Pflege- und Gesundheitsbereich weisen europaweit große Unterschiede auf. Trotz der gegenseitigen Anerkennung der abgeschlossenen Ausbildung als Pflegekraft für die allgemeine Pflege in der Europäischen Union ist eine Vergleichbarkeit nicht erreicht.

Ausbildungsprogramme, Qualifizierungsniveaus und Übergänge von sekundärer Berufsausbildung zur Hochschulbildung differieren. Gravierende Unterschiede zeigen sich in der Umsetzung einer Lehr- Lernkultur, die lebensbegleitendes und selbstständiges Lernen und den Umgang mit neuen Lerntechnologien fördert. Auch dem Umgang mit neuen Lerntechnologien wird bisher nicht ausreichend Aufmerksamkeit gewidment. Dieses wiegt umso schwerer in einem Berufsbildungsbereich, der überweigend von Frauen besetzt wird, deren Medienkompetenz eher unterdurchschnittlich eingestuft wird. Die genannten Unterschiede in der Berufsausbildung behindern berufliche Mobiliät innerhalb der Staatengemeinschaft. Es fehlt an transnationalen Konzepten, Instrumenten und Lernmaterialien.

 

Projektziele

Das transnationale Pilotprojekt leistet einen Beitrag zur Vergleichbarkeit der Pflegeausbildung innerhalb der europäischen Staatengemeinschaft. Gleichzeitig wurden die Traditionen und nationalen Entwicklungen in den Ausbildungssystemen der Projektpartner berücksichtigt. Zugleich möchte es zu einem Abbau des Mangels an Konzepten und Instrumenten beitragen. Die Projektziele waren:

  • Schaffung nationaler und internationaler Transparenz in Bezug auf Anforderungsprofile im Pflegeberuf bzw. Anerkennung der erworbenen beruflichen Fähigkeiten und Kompetenzen über ein Kreditpunktesystem.
  • Förderung der horizontalen und vertikalen Durchlässigkeit in den Berufsausbildungen im Bereich der Pflegeberufe durch Vernetzung der Berufsausbildungen und der Hochschulausbildung.
  • Förderung einer schnellen und kontinuierlichen Anpassung von Ausbildung und Weiterbildung an den gesellschaftlichen und beruflichen Wandel der Aufgabenfelder mit Integration von Innovationen und Neuentwicklungen.
  • Einleitung einer Integration der drei Erstausbildungen im Bereich der Kranken-, Kinderkranken-, und Altenpflege (Deutschland).
  • Abbau von Benachteiligungen in einem frauentypischen Berufsfeld durch Erleichterung des Wiedereinstiegs in den Beruf nach der Familienphase.

 

Projektprodukte

Im Rahmen der dreijährigen Projektlaufzeit wurden folgende Produkte hergestellt:

  1. Übersicht über die nationalen Ausbildungskonzepte der Projektpartner in Belgien, Deutschland, Luxemburg, Niederlande und Polen.
  2. Übersicht über Leitziele der Pflegeausbildung und über transnationale Qualifikationsanforderungen im Berufsfeld der Pflege
  3. Entwurf eines Transnationalen Curriculumkonzeptes ausgerichtet auf ein Modul- und Kreditpunktesystem, derart, dass eine vertikale und horizontale Durchlässigkeit zwischen den Ausbildungen im Pflege- und Gesundheitsbereich entsteht und eine transnationale Anerkennung und Mobilität möglich wird.
  4. Erstellung von sechs Lernmodulen einschließlich Lehr- Lernmaterialien, computergestützten Lernmedien und Prüfungsinstrumenten zur Beurteilung von beruflichen Kompetenzen. Die Lernmethoden in den Einzelmodulen sollen auf eine Förderung der Selbstständigkeit des Lernenden ausgerichtet sein und ihm eine flexible Gestaltung der Lernphasen ermöglichen.
  5. Entwicklung eines Implementierungs- und Evaluierungskonzeptes zur Erprobung der Einzelmodule.

 

Diese Projektmodule wurden in Kooperation von Hochschulen, Nutzern im Ausbildungsbereich, potentiellen Nutzern im Weiterbildungsbereich und den potentiellen Arbeitgebern (Kliniken als mittlere Unternehmen, ambulante Dienste als kleine Unternehmen) sowie Vertretern von Berufsverbänden und Berufspolitik diskutiert und entwickelt. Während der Projektlaufzeit fand eine intensive Zusammenarbeit mit potentiellen Nutzern, Anwendern und Mulitplikatoren statt, deren Beiträge in die Entwicklung von Konzept und Materialien einfloss. Hierzu fanden regelmäßige Veranstaltungen statt, um die Teilergebnisse und bereits erstellten Produkte Nutzern zugänglich zu machen.

 

Projektphasen

Das Projekt verlief in vier Phasen, die begleitend evaluiert wurden:

  1. Die erste Phase bezog sich auf die Herstellung eine Konsenses in Bezug auf die Leitziele der Pflegeausbildung, die beruflichen Qualifikationsanforderungen und auf die Entwicklung eines transnationalen Ausbildungskonzeptes. Als Vorlage dazu dient die Analyse der bestehenden Ausbildungskonzepte der europäischen Projektpartner.
  2. Die zweite Phase dient der arbeitsteiligen Konzeption von sechs Lernmodulen und der Entwicklung der benötigten Lehr- Lernmaterialien, computergestützten Lernmedien und Prüfungsinstrumenten zur Beurteilung von beruflichen Kompetenzen.
  3. In einer dritten Phase wurden die entwickelten Module in der Praxis erprobt.
  4. In der vierten Phase ging es um Implementierung der überarbeiteten Module in einen größeren Kreis von Projekteinrichtungen.